Hinsehen - Handeln - Schützen
Am 27. April 2026 wurde es in der Vorlesung Sozialmanagement I von Prof. Dr. Ulrich Gartzke besonders praxisrelevant: Florian Fell von der Stabsstelle Prävention des Caritasverbands für die Diözese Würzburg e.V. sensibilisierte Studierende des 4. Semesters für ein zentrales Thema ihrer zukünftigen Berufspraxis, nämlich den Umgang mit Grenzverletzungen, Kindeswohlgefährdung und sexueller Belästigung.
Die Veranstaltung stand unter dem Leitgedanken „Hinsehen und schützen – für eine Kultur der Achtsamkeit“ und richtete sich gezielt an Studierende, die kurz vor ihrem Praktikum stehen. Denn gerade in dieser Phase tauchen viele Fragen auf: Was mache ich, wenn ich etwas beobachte? Wie erkenne ich problematische Situationen? Und wie schütze ich mich selbst?
Zwischen Nähe und Distanz: Eine zentrale Herausforderung der Sozialen Arbeit
Ein zentrales Thema war die professionelle Gestaltung von Nähe und Distanz. Soziale Arbeit lebt von Beziehung; gleichzeitig birgt genau diese Nähe auch Risiken. Die Präsentation verdeutlichte, dass Grenzverletzungen oft zunächst unscheinbar beginnen und nicht immer bewusst geschehen. Umso wichtiger ist es, sensibel für eigene und fremde Grenzen zu sein und diese aktiv zu reflektieren.
Von Grenzverletzungen zu Übergriffen: Unterschiede erkennen
Die Studierenden lernten, zwischen verschiedenen Formen problematischen Verhaltens zu unterscheiden:
• Grenzverletzungen: meist einmalig, oft unbeabsichtigt und korrigierbar
• Übergriffe: bewusst, wiederholt und mit Missachtung der Bedürfnisse anderer verbunden
Anhand konkreter Beispiele, etwa aus Einrichtungen der Jugendhilfe oder Pflege, wurde deutlich, wie sich problematische Dynamiken schrittweise entwickeln können und warum frühes Handeln entscheidend ist.
Was tun im Praktikum? Konkrete Handlungsoptionen
Besonders relevant für die Studierenden war der Fokus auf konkrete Handlungsmöglichkeiten:
Wenn ich etwas beobachte oder vermute:
• aufmerksam sein und Situationen ernst nehmen
• Unterstützung anbieten und nicht wegsehen
• Vorfälle dokumentieren
• sich an Ansprechpersonen oder Beschwerdestellen wenden
Wenn ich selbst betroffen bin:
• klare Grenzen setzen
• Vorfälle melden, zum Beispiel über offizielle Beschwerdewege
• Unterstützung suchen und nicht allein bleiben
Dabei wurde auch betont, dass laut Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz (AGG) klare Rechte bestehen, etwa das Beschwerderecht oder der Schutz vor Benachteiligung nach einer Meldung.
Prävention beginnt bei der Organisation und bei jedem Einzelnen
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf präventiven Maßnahmen in Einrichtungen. Institutionen tragen Verantwortung, sichere Rahmenbedingungen zu schaffen, etwa durch:
• Schutzkonzepte und Verhaltenskodizes
• Schulungen und Sensibilisierung
• klare Beschwerdeverfahren
• Förderung einer offenen Kommunikationskultur
Gleichzeitig wurde deutlich, dass Prävention nicht nur „Chefsache“ ist, sondern eine gemeinsame Aufgabe aller Beteiligten darstellt.
Raum für Fragen
Da das Thema mit Scham und Unsicherheit verbunden sein kann, wurde den Studierenden die Möglichkeit gegeben, Fragen sowohl in Präsenz als auch anonym zu stellen. Dieses Angebot wurde aktiv genutzt und führte zu einem offenen Austausch über reale Unsicherheiten im Umgang mit kognitiv eingeschränkten Personen sowie über Erfahrungen mit fehlenden Strukturen und Ansprechpartnern. Auch Möglichkeiten zur persönlichen Fortbildung in diesem Themenfeld wurden thematisiert.
Fazit: Sicherheit durch Wissen und Haltung
Das interaktive Veranstaltungsformat zeigte, wie hilfreich es ist, Studierende frühzeitig auf herausfordernde Situationen vorzubereiten. Für angehende Fachkräfte der Sozialen Arbeit gilt: Fachliches Wissen, eine klare Haltung und die Bereitschaft hinzusehen sind entscheidend, um Klient*innen zu schützen und auch sich selbst.
Mit diesem Input gehen die Studierenden gestärkt in ihre Praxisphase, mit mehr Sicherheit, mehr Sensibilität und einem klaren Bewusstsein für ihre Verantwortung.
Studierende und Prof. Gartzke dankten Herrn Fell, der übrigens selbst Absolvent der THWS im Studiengang Soziale Arbeit ist, für sein Engagement und die wichtigen Impulse.
